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Kategorie: 2017, Jubiläum
18.05.2017

John Surtees: Sonderstatus unter den Nürburgring-Legenden

  • Brabham, Hill, Stewart, Clark, von Trips: ein Jahrzehnt legendärer Piloten
  • 60er Jahre: Top-Motorsportler werden auch abseits der Strecke zu Ikonen
  • Der Brite John Surtees erlebte entscheidende Karrierestationen am “Ring”

 

Nürburg. Der Nürburgring war in seiner 90-jährigen Geschichte ein Brutkasten für Motorsport-Stars – und ist es noch heute. Gerade die Nordschleife als längste und schönste Rennstrecke der Welt formte echte Ikonen.  Nach Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio und Stirling Moss in den 50ern brachten dabei die 60er Jahre vielleicht die meisten neuen Stars hervor. Lokalmatador Wolfgang Graf Berghe von Trips etwa umrundete als erster Fahrer überhaupt die Nordschleife in weniger als neun Minuten (8:59,9 Minuten), verunglückte leider aber 1961 tödlich – wie später auch der zweimalige Weltmeister Jim Clark. Jack Brabham, Graham Hill oder Jackie Stewart gehörten ebenfalls zur Riege der Spitzensportler dieser legendären Fahrergeneration. Einer aber schaffte etwas Einzigartiges, was bis heute kein Rennfahrer der Welt wiederholen konnte: John Surtees. Der Brite, der am 10. März dieses Jahres im Alter von 83 Jahren starb, ist der einzige Motorsportler, der sowohl auf zwei wie auch auf vier Rädern Weltmeister wurde. Der Nürburgring war Schauplatz entscheidender Stationen seiner Ausnahmekarriere.

 

Foto: Lothar Spurzem | Lizenz: CC BY-SA 2.0 de


Gleich sieben WM-Titel fuhr Surtees von 1956 bis 1960 als unerschrockener Motorrad-Pilot ein, bevor er in die Formel 1 wechselte. Die Königsklasse des Automobilsports erlebte in den 60er Jahren ihr „goldenes Zeitalter“. Der Vollgaszirkus strahlte Glamour aus, die Fahrer wurden zu bekannten Stars auch abseits der Rennstrecke. Tausendsassa Surtees, der später auch noch ein eigenes Team gründen sollte, fuhr 1964 zum Weltmeister-Titel. Bei all seinen Erfolgen spielte immer auch der Nürburgring eine wichtige Rolle, denn Surtees feierte hier als einziger Pilot sowohl auf dem Motorrad als auch im Rennauto Grand-Prix-Siege.

Drittes Rennen, erster Podiumsplatz – auf der Nordschleife
Der Grundstein zur ganz besonderen Beziehung von Surtees zum Nürburgring wurde schon 1955 gelegt. Der Brite, der rund 30 Kilometer von London entfernt in Tatsfield in der Grafschaft Surrey geboren wurde, schraubte schon als Kind in der Motorrad-Werkstatt seines rennfahrenden Vaters in Forest Hill südöstlich der Hauptstadt an Maschinen herum. Als er schließlich in den Motorradsport einstieg, fand das gerade mal dritte Rennen der jungen Karriere auf der auch damals schon anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt statt: der Nordschleife. Surtees schlug sich meisterhaft, holte als Dritter auf einer Norton seinen ersten Podestplatz und wechselte dann zur Saison 1956 zu MV Agusta. Mit dieser Marke holte er seinen ersten WM-Titel in der Klasse bis 500 ccm. Nachdem die beiden nächsten deutschen WM-Läufe 1956 und 1957 auf der Solitude und dem Hockenheimring stattgefunden hatten, kehrte Surtees erst 1958 wieder in die Eifel zurück – und feierte eindrucksvoll den Doppelsieg bei den 350ern und den 500ern, in denen er später auch die WM-Titel Nummer zwei und drei einfuhr. Ein Kunststück, das er auch 1959 und 1960 jeweils wiederholte, bevor es ihn nach 38 Siegen in 49 Grand Prix Rennen in die Formel 1 zog.

Vorgänger der Langstreckenstars von heute
Nach dem Seitenwechsel war es erneut der Nürburgring, auf dem Surtees den Durchbruch schaffte. Nachdem er nach drei Jahren bei Lotus, Cooper und Lola 1963 zu Ferrari gewechselt war, feierte er für die Italiener auf der Nordschleife zunächst im Mai seinen ersten Sieg im 1000-km-Rennen, dem Vorläufer der „6 Hours of Nürburgring“ in der WEC, in der am 15. und 16. Juli 2017 die besten Langstrecken-Piloten der Welt wieder um WM-Punkte kämpfen. Knapp drei Monate später ließ Surtees, der 1962 schon einmal Zweiter geworden war, in der Eifel seinen ersten GP-Triumph in der Formel 1 folgen und war neben Graham Hill der einzige Fahrer, der in jenem Jahr den überragenden Weltmeister Jim Clark besiegte. 1964 wiederholte Surtees seinen Erfolg auf dem Nürburgring und wurde am Ende der Saison Clarks Nachfolger auf dem WM-Thron. 1965 folgte auch beim 1000-km-Rennen Sieg Nummer zwei, 1966 ein weiterer zweiter Platz im Formel-1-GP.

Moss: Legendärer Nordschleifensieg im unterlegenen Cooper-Climax
Doch es waren auch viele der britischen Landsleute von „Big John“, die in den 60er Jahren die Rennen auf dem Nürburgring prägten. Stirling Moss machte 1961 endlich seinen Frieden mit dem Großen Preis von Deutschland. Nach zuvor vier Siegen beim 1000-km-Rennen triumphierte der vielleicht beste Rennfahrer aller Zeiten, der nie Weltmeister war, endlich auch beim WM-Lauf auf der Nordschleife. Es war sein 16. und letzter Grand-Prix-Sieg – und wie vier Jahre zuvor bei Juan Manuel Fangio vielleicht auch sein beeindruckendster. Denn mit  einer schier unglaublichen Leistung hielt Moss in seinem um fast 40 PS schwächeren Cooper-Climax die in jener Saison eigentlich überlegene Ferrari-Armada um Wolfgang Graf Berghe von Trips und Phil Hill in Schach. Mit einer fantastischen Präzision und seiner überragenden Kondition fuhr Moss am Ende 20 Sekunden Vorsprung auf Berghe von Trips heraus, der sich wie schon ein Jahr zuvor beim Heimspiel mit Rang zwei zufrieden geben musste – bevor der Kerpener fünf Wochen später in Monza tödlich verunglückte und den WM-Titel  an seinen Teamkollegen Phil Hill verlor.


 „Im Vergleich zu Le Mans ein Spaziergang“

Ein Jahr später war es Graham Hill, der ein denkwürdiges Rennen zeigte. Nach einem furchteinflößenden Unfall im Training trat der Engländer mit einem Ersatzauto an und lieferte sich in einer riesigen Wasserschlacht einen irren Dreikampf mit John Surtees und Porsche-Pilot Dan Gurney. „Im Vergleich zu diesem Rennen war Le Mans ein Spaziergang“, erinnerte sich der spätere Weltmeister, der 1968 nach dem Tod von Clark noch seinen zweiten Titel holte, Jahre später. Nach Jim Clark 1965 und Jack Brabham (im eigenen Auto!) 1966, die jeweils auf dem Weg zum WM-Titel ihre einzigen Siege auf der Nordschleife feierten, war es 1968 der spätere dreimalige Champion Jackie Stewart, der eine schier unglaubliche Leistung ablieferte. Bei widrigsten Bedingungen mit Regen und Nebel gewann der Schotte mit unfassbaren vier Minuten Vorsprung vor Graham Hill, obwohl der nach eigener Meinung das beste Rennen seines Lebens gefahren war. Jackie Stewart sollte später noch zwei weitere Male auf der Nordschleife triumphieren und ihr auch den berühmten Spitznamen „Grüne Hölle“ bescheren.



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