Mythos Nürburgring

Mythos Nürburgring

Programmheft zur Eröffnungsfeier des Nürburgrings, Eifelrennen am 18. - 19. Juni 1927
Programmheft zur Eröffnungsfeier des Nürburgrings, Eifelrennen am 18. - 19. Juni 1927

DER MYTHOS NÜRBURGRING

1927 feierlich eröffnet, hat sich die traditionsreiche Rennstrecke zu einer ganzjährigen Erlebnisdestination gewandelt – mit einer bewegten Vergangenheit, die bis heute fasziniert. 

 

Silberpfeile, „Grüne Hölle“ und jede Menge Stoff für echte Legenden: Der Nürburgring ist eine feste Größe der deutschen Motorsportgeschichte und gilt als eines der bekanntesten National-Monumente Deutschlands. 

 

Mehr als 800 Jahre ist es her, dass Graf Ulrich inmitten der Eifel den Grundstein für seine „Noureborg“ legte. Die „Nürburg“ war später nicht nur Namensgeber für die anliegende Gemeinde: Sie stand auch Pate für die Rennstrecke, die hier ab Mitte der 1920er Jahre entstand. 

Rudolf Caracciola siegt beim Eifelrennen auf dem Nürburgring
Rudolf Caracciola siegt beim Eifelrennen auf dem Nürburgring

Grundsteinlegung am Ring:

Die Eifel im Motorsportfieber

 

Der erste Spatenstich für die Errichtung des Nürburgrings erfolgte im Sommer 1925. Innerhalb von nur zwei Jahren konzipierten die Ingenieure einen 28,3 Kilometer langen Rundkurs mit verschiedenen Streckenvarianten, darunter die damals 22,8 Kilometer lange Nordschleife. Insgesamt 8,1 Millionen Reichsmark (zirka 27 Millionen Euro*) wurden für den Bau des Nürburgrings zur Verfügung gestellt, zeitweise arbeiteten über 2.500 Menschen an der Fertigstellung. 

 

Am 18. Juni 1927 feierte die Strecke schließlich Rennsport-Premiere mit dem Eifelrennen für Motorräder, einen Tag später siegte Rudolf Caracciola als erster Fahrer bei einem Automobil-Rennen auf dem Nürburgring. Von Beginn an konnte die Strecke gegen Gebühr an rennfreien Wochenenden und in den Abendstunden auch von Privatpersonen befahren werden. Auch Autohersteller nutzen die erste „Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke“ mit ihren vielen Kurven, Gefällen und Sprunghügeln bereits seit ihrer Eröffnung für umfangreiche Testfahrten. 

 

Zitat Rudolf Caracciola:

„Als wir 1927 zum neu eröffneten Nürburgring kamen, rissen wir die Augen auf. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Da lag mitten in den Eifelbergen eine Straße, eine geschlossene Schleife mit fast 180 Kurven, die auf 22 Kilometer verteilt waren. Eine Strecke mit Steigungen, die dem Motor scharf an die Lungen griffen, aber auch mit unsagbar schönen Ausblicken weit über das Land, auf Täler und Dörfer."

Extra-Blätter zum Eröffnungsrennen, 1927

Programmheft des Eröffnungsrennen, 1927

 

Am 18. Juni 1927 feierte die Rennstrecke Rennsport-Premiere mit dem Eifelrennen für Motorräder. Nur einen Tag später siegte Rudolf Caaracciola als erster Fahrer bei einem Auomobilrennen - dem Eifelrennen. Rund 85.000 Zuschauer waren zugegen.

 

Extra-Blätter zur Eröffnungsfeier 1927

Eifelrennen, 16. Juni 1935
Eifelrennen, 16. Juni 1935
Großer Preis von Deutschland, 24. Juli 1938
GP von Deutschland, 24. Juli 1938

Silber zu Gold:

Der Nürburgring wird zum Massenphänomen

 

Schnell entwickelte sich der Nürburgring zu einem Zuschauermagneten von internationaler Bedeutung. Magische Anziehungskraft übten insbesondere die umjubelten Silberpfeile von Mercedes aus, die 1934 auf der Nordschleife ihre Premiere feierten. Der Legende nach hatte das Mercedes-Team noch in der Nacht vor dem Rennen eigenhändig den Lack von ihrem W25-Rennwagen abgekratzt, um das neu eingeführte Gewichtslimit von 750 Kilogramm einhalten zu können. 

 

Eine goldrichtige Entscheidung: Das Werksteam um den Piloten Manfred von Brauchitsch siegte tags darauf in ihrem silbern glänzenden Mercedes überlegen – die Geburtsstunde der Silberpfeile. 

 

 * Umrechnungshinweise (Kaufkraft) laut Hamburger Staatsarchiv und Statistischem Bundesamt bezogen auf das Jahr 2000. 


Großer Preis von Deutschland, 1954
Großer Preis von Deutschland, 1954

Nachdem der Rennbetrieb 1940 kriegsbedingt zum Erliegen gekommen war, konnte der Nürburgring bereits sieben Jahre später wiedereröffnet werden. Ihr Comeback im internationalen Motorsport erlebte die Strecke ab Beginn der 1950er Jahre. Die neu gegründete Formel 1 nahm den Kurs als „Großen Preis von Deutschland“ fest in ihren Rennkalender auf – der Beginn einer wahren Motorsport-Euphorie in Deutschland.

 

Allein 1954, bei der Nachkriegspremiere der Silberpfeile, säumten rund 400.000 begeisterte Zuschauer die Nordschleife. Unter großem Medienrummel avancierten Formel-1-Weltmeister wie der Argentinier Juan Manuel Fangio oder der Brite Jackie Stewart zu regelrechten „Popstars“.

Nordschleife, 1973
Nordschleife, 1973

Phoenix aus der Asche: Das große Comeback

 

Jackie Stewart war es auch, der in den späten 1960er Jahren den anspruchsvollen Eifel-Kurs erstmals als „Grüne Hölle“ bezeichnete – ein Ausdruck, der wenig später durch eine Serie schwerer Unfälle tragisch untermauert wurde. Die enge, von Hecken gesäumte Strecke geriet seit Ende der 1960er Jahre angesichts der immer schnelleren Fahrzeuge zunehmend in die Kritik. Die Verantwortlichen reagierten mit umfassenden Umbauarbeiten an der Strecke. Für 17 Millionen D-Mark (zirka 8,7 Millionen Euro) wurden unter anderem Fangzäune, Seitenstreifen und Leitplanken installiert.

 

Trotz aller Vorkehrungen zog sich die Formel 1 nach der Saison 1976 aufgrund weiterer Sicherheitsbedenken aus der Eifel zurück – das Aus für die Nordschleife im internationalen Rennzirkus. Andere Rennserien wie die Formel 2 Europameisterschaft, die Deutsche Rennsport-Meisterschaft oder die Sportwagen-Meisterschaft fuhren noch bis zum Jahre 1983 während der laufenden Umbauarbeiten auf einem auf 20,8 Kilometern verkürzten Nordschleifen-Kurs. Erst nach dem Bau einer neuen, nur 4,542 Kilometer langen, modernen Grand-Prix-Strecke feierte die Formel 1 im Jahr 1985 ihr Comeback am Ring. 


Rock am Ring, 1985
Rock am Ring, 1985

 

Internationales Aufsehen erregte im selben Jahr auch ein Spektakel der anderen Art: Mit „Rock am Ring“ fand am 25. und 26. Mai erstmals ein Musikfestival auf dem Nürburgring-Gelände statt. Vor 75.000 Zuschauern spielten unter anderem Künstler wie U2, Joe Cocker und Marius Müller-Westernhagen.

 

Ein Jahr später begeisterte der erste Truck-Grand-Prix des ADAC die Massen – ein Überraschungserfolg, der sich zu einer der tragenden Säulen des Veranstaltungsprogramms entwickelte.

Formel 1, 90er Jahre
Formel 1 am Nürburgring, 90er Jahre

Mit Vollgas in die Zukunft:

Frischer Wind am Nürburgring

 

Der Hype um den Rennfahrer Michael Schuhmacher und die damit verbundene Renaissance des deutschen Motorsports führten schließlich auch am Ring zu zahlreichen sichtbaren Veränderungen. Ab Mitte der 1990er Jahre entstanden diverse Neubauten, darunter moderne Tribünen, VIP-Logen, Videoleinwände und ein innovatives Medical Center. Mit dem Neubau der Mercedes-Arena wurde die Grand-Prix-Strecke zudem auf eine Gesamtlänge von nunmehr 5,148 Kilometern erweitert. Ein neues Start- und Zielhaus sowie ein Media Center für Journalisten und Fotografen komplettierten diesen wichtigen Schritt hin zu einer der modernsten Rennstrecken Europas. 

 

Und auch in Sachen Umwelt ist der Nürburgring Vorreiter. Bereits 1996 wurde ein fortschrittliches Umweltmanagementsystem aufgebaut und der Nürburgring erhält als einzige Rennstrecke weltweit die Zertifizierung nach der EG-Öko-Audit-Verordnung.


Baustelle "Nürburgring 2009", 2007
Baustelle "Nürburgring 2009", 2007

 

Im November 2007 startete der Ausbau des Nürburgrings zu einem ganzjährigen Freizeit- und Businesszentrum. Der wichtigste Meilenstein in seiner Geschichte seit Errichtung der Nordschleife 1927 und der Ergänzung durch die Grand-Prix-Strecke im Jahr 1984. Wetterunabhängige Präsentations- und Eventflächen wie beispielsweise die ring°arena, zusätzliche Freizeitangebote für Fans und Touristen – ring°werk und ring°boulevard – sowie komfortable Hotels in unmittelbarer Nähe zur Rennstrecke und ein familienfreundlicher Ferienpark sind die zentralen Bausteine des Projektes. 


ADAC Zurich 24h-Rennen, 2011
ADAC Zurich 24h-Rennen, 2011

Motorsport-Veranstaltungen der Spitzenklasse, Freizeitattraktionen rund um die Themen Mobilität und Motoren, Spaß und Edutainment für jedes Alter, professionelle Business- und Eventlocation – was 1927 als Austragungsort für Autorennen eröffnet wurde, bietet längst Motorsporterlebnisse und Unterhaltung das ganze Jahr.

Wichtigste Eckdaten im Überblick

 

 

1925

Grundsteinlegung für den Nürburgring in der damals noch preußischen Eifel Gemeinde Adenau

1927

Offizielle Eröffnung des Nürburgrings

1947

Wiedereröffnung des Nürburgrings nach dem 2. Weltkrieg

1951

Die neu gegründete Formel 1 fährt auf dem Nürburgring

1976

Abwanderung der Formel 1 nach Hockenheim

1984

Offizielle Eröffnung der Nürburgring Grand-Prix-Strecke (4,542 km) nach dreijähriger Bauzeit

1985

Rückkehr der Formel 1 an den Nürburgring

2000

Bau der Mercedes-Arena und Erweiterung der Grand-Prix-Strecke auf 5,1 km

2007

Beginn der umfassenden Um- und Ausbauarbeiten am Nürburgring

2009

Eröffnung des neuen Freizeit- und Businesszentrums am Nürburgring

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